Joyce Cary "Des Pudels Kern"

Art.Nr. 655560
2,50€
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Roman.

Joyce Cary, dessen Buch "Des Pudels Kern" Hans Erich Nossack mit subtilem Feingefühl selbst für verwegen-hintergründige Schnoddrigkeiten übersetzte, ist ganz bestimmt mit einer außergewöhnlichen Phantasie begabt, die höchstens durch einen geradezu tollkühnen Wirklichkeitssinn noch überboten wird. Dieser englische Dichter soll wohlhabend sein, aber er hat – im Ich-Ton – das Leben eines armen Mannes beschrieben und dabei die Wirkung der Armut auf die Seele des von ihr Betroffenen mit einer psychologischen Hellsicht dargestellt, die an Dostojewskij erinnert.
Der "Betroffene" ist Künstler, Maler, mehr als 60 Jahre alt. Joyce Gary hat mit ihm gemeinsam, daß er selbst Maler war. Anders wäre die intime Einsicht in die inneren Bedrängnisse des modernen Künstlers ja auch gar nicht zu erklären. Andere beschreiben die Intentionen solch eines Malers, der im Dienst an seiner Kunst alt und grau und skeptisch geworden ist, indem sie sein Leben, sein Tun beschreiben – das ist eine Schilderung von außen her. Cary beschreibt den Kampf um die moderne Kunst von der Seele des Künstlers und also von innen her. Das ist fürwahr ein großes Unternehmen. Denn man begreift, warum der moderne Künstler, mag er auch – wie dieser – mitten im Volke (von London) leben, so einsam ist. Seine Einsamkeit ist schicksalhaft, und spätere Generationen werden’s ihm danken, daß er tapfer blieb.


Aufbau-Verlag, 1974
485 S.