Arnolt Bronnen "Gibt zu Protokoll"

Art.Nr. 174599
2,50€
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Beiträge zur Geschichte des modernen Schriftstellers.

Mit einem Geleitwort von Franz Kain und einem Nachwort von Eike Middell.

Es ging dem Österreicher Arnolt Bronnen wie einem, der auszog, das Fürchten zu lernen. Im Februar 1920 kam er von Wien nach Berlin: vierundzwanzigjährig, angeschlagen von Krieg, Verwundung und Gefangenschaft, mittellos, aber mit zwei noch ungedruckten Theaterstücken in der Tasche und das Herz voll Vertrauen auf sich und den Verleger Samuel Fischer. Binnen kurzem gehörte er zu den meistgespielten, auch meist-umstrittenen Bühnenautoren jener Zeit. Aber dann mündete der Weg nach Berlin in den Irrweg an die Seite der neuen Machthaber, und dort ließ das Fürchten nicht lange auf sich warten.
Rund dreißig Jahre nach seinem ersten Aufbruch gab Bronnen sein Leben zu Protokoll. Er unterzog sich einem schonungslosen Selbstverhör, das keinen Fehler überging, jedem Versagen nachfragte: Wie konnte der Freund Bertolt Brechts zum Intimus eines Joseph Goebbels werden? Warum blieb er verantwortlicher Mitarbeiter bei Rundfunk und Fernsehen, als beide Einrichtungen längst zu faschistischen Propagandazentralen degradiert waren, als unliebsame Kollegen entlassen oder verhaftet wurden, als Schriftsteller und Verleger, Schauspieler und Regisseure Deutschland zuhauf verließen? Was hieß ihn schließlich sogar wider bessereres Wissen schweigen zu Gewalt, Terror und Krieg?
Am Ende des Berichts steht ein neuer Anfang im Leben des Autors. Bronnen kehrte 1943 in seine Heimat zurück und schloß sich dort einer Gruppe österreichischer Antifaschisten an. Er hatte begriffen, daß es nur eine Art des Umgangs gibt mit denjenigen, die sich vermessen, andere Menschen, ganze Völker das Fürchten zu lehren: entschlossenen Widerstand.


Aufbau-Verlag, 1985
622 S.