Claudia Weber "Krieg der Täter"

Verlag Hamburger Edition
Art.Nr. 007904
35,00€
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Die Massenerschiessungen von Katyn.
Im Frühjahr 1943 wurde in der Nähe des russischen Dorfes Katyń ein grauenvoller Fund gemacht: Massengräber mit Tausenden Toten. Die Täterschaft ist zu diesem Zeitpunkt längst bekannt, wie die Autorin eindrücklich zeigt, und dennoch drehte sich die Geschichte der Massenerschießungen von Katyń Jahrzehnte um die Frage, ob nun das »Dritte Reich« oder Stalins Sowjetunion für das brutale Kriegsverbrechen verantwortlich war, dem im Frühjahr 1940 über 22 000 polnische Armeeangehörige zum Opfer fielen. Inmitten der militärischen Schlachten des Zweiten Weltkriegs wurde ein »Täterkrieg« entfacht: Während sich der deutsche Nationalsozialismus im Wald von Katyń als Entdecker sowjetischer Kriegsgräuel und als Bollwerk gegen den Roten Terror präsentierte, setzte sich der Stalinismus als Opfer einer Verleumdungskampagne der »Hitleristen« in Szene.

Auf der Basis neu gelesener Dokumente und bisher unbekannter Quellen aus russischen Archiven und dem Archiv der DDR-Staatssicherheit legt Claudia Weber eine umfassende historische Analyse der Akteure, Mechanismen und Ziele der nationalsozialistischen und der stalinistischen Propaganda – ihrer Erfindungen, Täuschungsmanöver und Lügen – vor. Sie beschreibt die erstaunliche Wirkungsmacht und lange Dauer der diktatorischen Katyń-Inszenierungen, denen es gelang, die komplexe Geschichte des deutsch-sowjetischen Weltkriegsterrors auf eine gelöste »Täterfrage« zu reduzieren. Der »Täterkrieg« um Katyń war ein Scheingefecht, das noch in den ideologischen Geschichtsscharmützeln des Kalten Krieges in Westeuropa mit Verve ausgetragen wurde.

Warum wurde gerade Katyń zum Symbol für alte ideologische Feindschaften und neue Fronten des Kalten Krieges angesichts anderer zahlloser Verbrechen des Zweiten Weltkriegs? Mit ihrem Buch plädiert Claudia Weber für eine neue Verflechtungsgeschichte des Zweiten Weltkriegs, die den Terror, die Kriegs­verbrechen und die Gräuelpropaganda von Nationalsozialismus und Stalinismus in ihren situativen Dynamiken zusammendenkt.
471 Seiten