Carsten Klook "Korrektor"

Art.Nr. 863950
4,95€
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Schlitzblättrige Pflanzen verdursten in der Hochhauswohnung der verreisten Eltern. "Der Blumengießer" kommt und besichtigt statt der Zimmergewächse eine Kindheit und Jugend, die sich im Hamburger Vorort Billstedt - im Sonnenland - abspielte.
Man schreibt das Jahr 1988. Und der, der sich erinnert, ist 29 Jahre alt. Wer war das noch, dieser Bernd? Fragt er, rührt sich dabei kaum vom Fleck, setzt auf seinen Erinnerungen Moos an, dreht den Fernseher laut und die Schnapsflaschen auf. Ist das die Suche nach der verlorenen Klarheit? Die Medientrichter sind auf Empfang geschaltet. Aus der Schlingware des Teppichbodens dünsten verschwommene Szenen. Was ist zu einem Vater zu sagen, der Korrektor von Beruf ist und behauptet: "Was nicht im Duden steht, gibt es nicht!", wo man doch gerade versucht, Worte zu finden für lebenslange Missverständnisse ... Bilder stauen sich am höhenverstellbaren Couchtisch. Bilder von fetten Jahren, sozialem Wohnungsbau, Cortison-Spritzen, von SPD und RAF.
Und ein Rocker im Fahrstuhl, der im Grünspan als Türsteher arbeitet ... Vitrinenschränke, in Waschbetonplatten eingelassene Liebesschwüre, Streitigkeiten und karge Einsichten ... das begleitet einander aufs Unaussprechliche … bis der Korrektor auf der Intensivstation und Bernd in der kalifornischen Version des Öjendorfer Parks landet.
Dass überhaupt erzählt wird, liegt an einer blauen Kiste, dem LP-Shuttle für den Fahrradgepäckträger. Seifig schillernde Akustik- Phänomene aus drei Jahrzehnten steigen daraus empor und künden von paradiesisch-verrockten Zuständen somewhere else.
Der Roman ist ein Spiegel-Kabinett aus Zeit- und Nabelschau, eine Montage fataler Imagination und wütender Erkenntnis. Er zerlegt, was sich nicht mehr herstellen lässt – die Geschichte.
Textem Verlag 2005
198 Seiten