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Adam Schaff "Mein Jahrhundert"

Verlag Dietz Verlag Berlin
Art.Nr. 644456
14,90€ 6,00€
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Glaubensbekenntnisse eines Marxisten. Aus dem Polnischen übersetzt von Elzbieta Kazmierczak und Witold Leder.

Schaff, prominenter Wissenschaftler im kommunistischen Polen, Mitglied des Club of Rome und nacheinander in der Kommunistischen Partei, der Polnischen Arbeiterpartei und (nach fünfjährigem Ausschluß) der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei, versucht mit seinem Buch, Rechenschaft abzulegen in bezug auf seine wissenschaftlichen und politischen Ansichten - mithin eine Bilanz seines Lebens abzugeben. Zu diesem Zweck wählt er die Form von neunzehn Briefen, die den Charakter von Selbstgesprächen haben und schon in der Form die Ambivalenz der Ausführungen Schaffs versinnbildlichen. So rechnet Schaff einerseits hart mit dem Kommunismus ab, hält aber andererseits an den Lehren des Marxismus und der kommunistischen Bewegung fest; er ist sogar von ihrem Zukunftspotential überzeugt: "Wenn ich heute kritische Urteile über manche ihrer Aspekte fälle, so nicht als Feind oder Abtrünniger, der die eigene Vergangenheit und die tiefen Werte des Kommunismus verleugnet, sondern als Anhänger des demokratischen Sozialismus, der im schmerzlichen Bewußtsein der Fehler und Verirrungen und des Zusammenbruchs des Kommunismus nach neuen Wegen sucht." (155 f.) Alles in allem bleibt für Schaff das Resümee einer guten Idee, die schlecht ausgeführt wurde und letztlich doch in der Form des Postkapitalismus (und sehr wahrscheinlich über Klassenkampf und Revolution) als "dritter Weg" (163) wiederauferstehen werde. Allerdings läßt Schaff immerhin Zweifel an der Gesetzmäßigkeit dieser Entwicklung gelten und warnt vor möglichen Gefahren neuer Formen von Faschismus und Diktatur. Er kritisiert die Praxis des Marxismus-Leninismus mit dem analytischen Instrumentarium und der Begrifflichkeit des Marxismus. Dabei wird klar, daß er nicht nur Rechenschaft ablegt, sondern auch (persönliche) Rechtfertigung betreibt.


Mängelexemplar
317 S.